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Forum zum Thema LRS, Legasthenie, Lesen und Schreiben

Thema: Der Begriff "Legasthenie"

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LegaKids


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Verfasst am: Do 13. März. 2008, 11:14, Titel: Der Begriff "Legasthenie"
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Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des LegaKids-Forums,

unter dem Titel "Der Legastheniebegriff und die Folgen einer einseitig medizinischen Sichtweise" haben wir einen Text von Dr. Nicole Robering online gestellt (www.legakids.net/_eltern/_tipps/tipps-robering1.html).

Was ist Legasthenie bzw. LRS eigentlich? Welche Folgen hat die Einschätzung von Legasthenie als Krankheit, als Behinderung oder als Teil einer "normalen" Entwicklung für das betroffene Kind? Und für die Familie? Für Lehrer, Schulen und Förderkräfte? Diese und weitere Fragen wollen wir hier erörtern.

Uns interessiert Ihre bzw. Eure Meinung zu diesen Themen. Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion!

Viele Grüße vom
LegaKids-Team
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marlar


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Verfasst am: Fr 14. März. 2008, 15:08, Titel: Alles eine Frage der Wahrnehmung?
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Hallo allerseits,

Gibt es denn überhaupt "die" Legasthenie?
Mich würde interessieren, ob und wie das wissenschaftlich festgelegt ist.

Aber ganz unabhängig davon denke ich, dass die eigenen Erfahrungen und Lebenszusammenhänge die Wahrnehmung von Lese- und Rechtschreibstörungen beeinflussen - so wie alles, mit dem man in Kontakt kommt.
Leider sehen oft gerade Leute, die mit betroffenen Kindern zu tun haben, nicht immer ihre eigene, gefärbte Wahrnehmung und denken, sie hätten die einzig wahre und professionelle Wahrheit erkannt...

Grüezi
marlar

Kommentar von LegaKids:

Hallo Marlar,
wir sind der Meinung, dass es Legasthenie in verschiedenen Ausprägungen und Schweregraden gibt. Also, es gibt dieses Phänomen. Auch ist es völlig legitim den Begriff zu gebrauchen. Allerdings sollte nach unserem Ermessen Legasthenie weder aus einer rein medizinischen Sichtweise noch ausschließlich aus einer psychologischen oder pädagogischen oder soziologischen Perspektive interpretiert werden. Wir denken, dass bei dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand eine Zuordnung in eines dieser wissenschaftlichen Felder nicht sinnvoll und daher kontraproduktiv ist. Die Aussage "Es gibt doch überhaupt keine Legasthenie" ist nach unserer Auffassung ebenso falsch, wie legasthene Kinder, als kranke Kinder einzustufen. Da ziehen wir eine Sichtweise vor, die auch vom Bundesverband Legasthenie vertreten wird: "Die Lese-Rechtschreibstörung (sog. Legasthenie) ist eine weltweit von der WHO unter der Ziffer F81.0 beschriebene Entwicklungsbeeinträchtigung schulischer Fertigkeiten." MK LegaKids
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Verfasst am: Mi 19. März. 2008, 12:42, Titel: RE: Legasthenie
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Als E-Mail erreichte uns folgender Beitrag von Dr. Wolfgang Lenhard, den wir mit seiner Zustimmung gerne zur weiteren Diskussion ins Forum stellen:

Ich stimme Frau Robering voll und ganz zu, dass eine Pathologisierung von Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb problematisch ist. Die Feststellung im bayerischen Legasthenieerlass zeigt die Paradoxie sehr eindrucksvoll: Es wird davon gesprochen, dass eine Lese-Rechtsschreibstörung eine "schwer therapierbare Krankheit" ist, die deshalb besondere Förderung erforderlich macht. Man fragt sich, wieso Förderung notwendig ist, wenn es schwer therapierbar ist - zudem eine Feststellung die inhaltlich nicht haltbar ist.
Gleichermaßen liegt der Unterscheidung in Lese-Rechtschreibstörung / Lese-Rechtschreibschwäche / Legasthenie diese falsche Vorstellung zugrunde. Leider hat Frau Gudrun Dziallas bei der Umarbeitung des Legasthenie-Artikels auf Wikipedia erkämpft, dass diese problematische Unterscheidung auch dort festgeschrieben ist. Dabei schwingt wohl auf Elternseite die Angst mit, dass wieder wie in der Anti-Legastheniebewegung die Probleme negiert werden, ohne wie im Falle der Kinder mit Legasthenie die häufig überdurchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten zu beachten.

Im Gegensatz zum bayerischen Legasthenie-Erlass ist allerdings die ICD-10 keineswegs nur von Ärzten geschrieben und dort ist auch explizit nicht (!) von Krankheit die Rede. Die ICD folgt bereits seit einigen Versionen das Ziel, sich auf die Beschreibung der Phänomene zu beschränken, was man ja auch von einem Diagnose-Manual verlangen sollte.
Sie versucht explizit nicht, eine Begründung der Probleme zu geben. In dieser Hinsicht ist der Artikel leider inhaltlich nicht haltbar. Würde die ICD-10 eine ärztlich Sicht wiederspiegeln, dann hieße es 2Internationalelassifikation psychischer Krankheiten" und nicht "Internationale Klassifikation psychischer Störungen".
Die für Deutschland maßgebliche Konkretisierung bei der AWMF (http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/028-017.htm) ist dagegen von Ärzten ausformuliert. Trotzdem findet sich auch hier nicht der Begriff "Krankheit", sondern der in der Psychologie übliche Begriff "Störung".

Und zur Einstufung einer chronischen Lese-Rechtschreibstörung als Behinderung ist zu sagen, dass auch das berechtigt ist, da die Probleme dauerhaft sind und den Erwerb eines Behindertenausweises (bis GdB 50) mit allen damit verknüpften Vorzügen ermöglichen.

Kritisch ist auch zu sehen, dass die Professionalisierung der Hilfeleistungen für betroffene Kinder in Form eines eigenen geschützten Therapeutensiegels (z. B. Dyslexietherapeut BVL) in erster Linie eine große Erleichterung und Verbesserung der Hilfe bedeutet und nicht - wie im Artikel geschrieben - negativ zu sehen ist. Dort ist dieser Umstand als "Arbeitsmöglichkeit" für Ärzte und Therapeuten beschrieben, so als wäre es das Ziel dieser Therapeuten, aus den Problemen der Kinder einen Nutzen zu ziehen. Ich stimme deshalb nicht mit der Aussage überein, dass es sich hierbei um eine "rein medizinische bzw. pathologisierende Sichtweise" handelt. Ich war selbst mit an der Entwicklung von Ausbildungsstandards für den Dyslexietherapeuten beteiligt und kann Ihnen sagen, dass das wirklich ein zähes Ringen und harte Arbeit gewesen ist. Glücklicherweise konnte ein hoher Standard festgeschrieben werden und man kann nur hoffen, dass sich dieser Titel zum Wohl der Kinder durchsetzt.
Die Ausbildung ist sehr umfassend und man kann wirklich nicht behaupten, dass eine einseitige Pathologisierung erfolgen würde. Zudem wurde der Titel in Zusammenarbeit mit dem BVL ausgearbeitet.

Die von der Autorin eingeforderte höhere Toleranz der Gesellschaft und der Schule gegenüber Fehlern ist demgegenüber aus meiner Sicht voll berechtigt, zumal die Bedeutung der Orthographie heutzutage dramatisch überbewertet wird.

Am Sonntag war ich auf einer Fortbildung von Schulpsychologen und habe dort die LegaKids-Box gesehen. Sie kam sehr gut an und ich finde auch, dass sie gut gelungen ist.

Viele Grüße,
Wolfgang Lenhard
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Lega14776


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Verfasst am: Mi 19. März. 2008, 14:51, Titel: Eine gute Erklärung
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Hallo,

mein Name ist Mirko Mieland und ich möchte mich gern hier beteiligen, da ich dieses Thema sehr wichtig finde.

Ich finde die Beschreibung von Dr. A.Kopp - Duller sehr gut und setze diese mal hier ein:

Der ICD-10 oder wo das Unheil für viele legasthene/LRS/dyskalule Kinder beginnt…
February 13th, 2007

Der ICD10 ist eine internationale Klassifikation von Diagnosen für den medizinischen Bereich. Gemäß der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen wird zwischen der Lese-Rechtschreibstörung (F81.0), der isolierten Rechtschreibstörung (F81.1) und einer kombinierten Störung schulischer Fertigkeiten (F81.3) unterschieden.

Es ist irreführend für Uninformierte und gleichzeitig in der allgemeinen Arbeit mit betroffenen Kindern sehr hinderlich, dass die Legasthenie, die LRS und die Dyskalkulie im ICD 10 von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheiten definiert werden. 15% der Weltbevölkerung haben beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens Probleme und sind deshalb aber nicht schwach, gestört, krank oder gar behindert.

Die ICD-10 Formulierung ist tatsächlich nicht nur eine unzureichende für die Problematik, weil sie die pädagogische Notwendigkeit der Intervention völlig außer Acht lässt, sondern grundsätzlich eine sehr unglückliche, weil sie von vorn herein ausschließt, dass es auch Kinder gibt, die beim Erlernen des Schreibens, Lesens oder Rechnens mit den üblichen in der Schule angebotenen Methoden nicht das Auslangen finden und trotzdem nicht schwach, gestört, krank oder behindert sind. Dazu muss man wissen, dass kein Pädagoge seinerzeit mitgearbeitet hat oder auch nur befragt wurde, als Probleme beim Erlernen des Schreibens, Lesens und/oder Rechnens als Krankheiten definiert worden sind. Deshalb zielt auch heute noch alles auf Schwäche, Störung und Krankheit hin, weil nur Psychologen und Mediziner sich zu der Thematik geäußert haben. Darunter haben noch heute so viele Kinder zu leiden. Viele Kinder erhalten auch deshalb keine oder viel zu späte Hilfe, weil die Eltern befürchten, dass ihr Kind schwach, gestört, krank oder behindert ist, nur weil es mit den üblich angebotenen Methoden Schwierigkeiten beim Schreiben, Lesen oder Rechnen hat und deshalb werden keine Maßnahmen ergriffen.

Tatsächlich zahlt für die pädagogisch-didaktischen Interventionen im Falle einer Primärlegasthenie, das ist eine Legasthenie ohne Sekundärerscheinungen, keine Krankenkasse in Deutschland oder Österreich. Bezahlt wird erst dann, wenn das Kind psychische Auffälligkeiten bekommen hat, weil die Umgebung nicht rechtzeitig eingeschritten ist und erkannt hat, dass spezielle pädagogisch-didaktische Hilfe notwendig ist, um das Schreiben, Lesen und Rechnen zu erlernen. Dann werden aber auch nicht pädagogisch-didaktische Schritte bezahlt, sondern nur der Psychologe oder Mediziner. Bewusst wird nun hoffentlich, welche großen Hürden noch zu überwinden sein werden, damit die Kinder tatsächlich nicht nur rechtzeitig erkannt, sondern auch so gefördert werden, wie sie es benötigen. Gegen eine Veränderung aber laufen gewisse Interessensgruppen Sturm, denn sie wollen die über lange Zeit gesicherten Pfründe nicht so einfach aus den Händen geben.
Tatsächlich ist die Legasthenie selbst keine Krankheit, mit ihr können aber natürlich Krankheiten einhergehen, nicht nur seelische, sondern auch physische. Die Praxis zeigt aber, dass es tatsächlich viele Kinder gibt, die keine weiteren psychischen oder physischen Probleme aufweisen, als dass sie gezielte Hilfe auf pädagogisch-didaktischer Basis benötigen und die gehören sicherlich nicht in die Hände von Psychologen oder Medizinern, sondern in die von gezielt geschulten Pädagogen. Um eine Tatsache werden wir auch in Zukunft nicht herum kommen, nämlich, dass keine psychologische oder medizinische Intervention den Kindern tatsächlich das Schreiben, Lesen oder Rechnen vermitteln wird können.

Es ist notwendig immer wieder zu erklären, dass die pädagogisch-didaktische Ebene so wichtig für Kinder ist, die eine Legasthenie, LRS oder Dyskalkulie haben, um anhaltende Erfolge zu erzielen, weil den meisten Menschen dies gar nicht bewusst ist. Dazu kann nur ein Pädagoge beitragen, kein Psychologe oder Mediziner kann auf diesem Gebiet das leisten, was das Kind benötigt.

(Quelle: http://blog.legasthenie-lrs-dyskalkulie.com/)

Mit besten Grüßen,

Mirko Mieland

Kommentar LegaKids:

Hallo Herr Mieland, sicher haben Sie Recht, wenn Sie die pädagogische Ebene betonen. Allerdings denken wir, dass durchaus auch Psychologen (ich bin einer von der Sorte :-) oder Mediziner einen guten Beitrag leisten können. Allerdings sollten die sich mit "Legasthenie" gut auskennen und eine angemessene Ausbildung haben. Wie auch ein guter Pädagoge nicht auf psychologisches Wissen verzichten kann. Vor allem aber dürfen Kinder nicht nur durch die Brille gesehen werden, was das Kind alles nicht kann, wo es Defizite hat. Das frühe und ungerechte Aussieben der Kinder aufgrund ihrer Fehler in der Rechtschreibung ist ein Skandal. Da müsste doch jeder Pädagoge und Lehrer zustimmen können. MK LegaKids
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Wolfgang_Lenhard


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Verfasst am: Mi 30. Apr. 2008, 08:44, Titel: ICD-10-Definition
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Hallo,
also ich muss sagen, ich finde die Darstellung im Infoblatt "Übersicht LRS & Co" (http://www.legakids.de/_eltern/_downloads/LRS-Ueberblick.pdf) sehr sympathisch. Dass es Menschen gibt, die chronische Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben ist sicher unstrittig. Sicherlich gibt es viele Gründe hierfür, also z. B. auch Begabungsunterschiede, die eine genetische Basis haben. Ab man das jetzt Krankheit nennen möchte, oder nicht, ist sicherlich zweitrangig, da eine effektive Hilfe im Vordergrund stehen sollte.

Rein terminologisch gilt die ICD-10 als richtungsweisend, und dort die Abschnitte "Umschriebene Störungen schulischer Fertigkeiten". Die ICD-10 ist die "Klassifikation psychischer Störungen" (Version 10). Dem offiziellen Sprachgebrauch der WHO entsprechend ist eine Legasthenie also keine Krankheit, sondern eine Störung. Die ICD-10 gilt auch im medizinischen Bereich und ist von allen Fachleuten anerkannt. In ihr wird ausgeführt:

"Der Begriff Störung (dirsorder) wird in der gesamten Klassifikation verwendet, um den problematischen Gebrauch von Begriffen wie 'Krankheit' oder 'Erkrankung' weitgehend zu vermeiden."

Rein formell ist eine Legasthenie, bzw. Lese-Rechtschreibstörung wie es in der ICD-10 heißt, keine Krankheit.

an Mirko Mieland: Ich stimme voll zu, das Probleme beim Schriftspracherwerb vordringlich in der Schule gelöst werden sollten, also pädagogisch-didaktische Maßnahmen an erster Stelle stehen. Die Tatsache, dass dieser Bereich sehr stark von Psychologie und Medizin dominiert wird liegt allerdings nicht daran, dass diese Disziplinen das Thema an sich gerissen haben. Vielmehr zeigte sich das Schulsystem in weiten Teilen unfähig, Kinder angemessen zu fördern. In den Kinder- und Jugendpsychiatrien fanden - und finden - sich zuhauf legasthene Kinder mit Schulangst und Depression, die in Schulen geradezu zugrunde gerichtet wurden. Glücklicherweise gibt es aber auch sehr viele fähige und engagierte Pädagogen und Pädagoginnen und ich glaube, dass die Sensibilität im Schulsystem zunehmend besser wird. Es wäre toll, wenn dieser Prozess noch weitergeht.

Viele Grüße,
Wolfgang Lenhard
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Lega14776


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Verfasst am: Do 01. Mai. 2008, 19:25, Titel:
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Diesen Meinungsaustausch finde ich sehr wichtig und ich hoffe, dass noch mehr "geschieht".

Ich bin auch der Meinung, dass es primär schulische Aufgabe ist, um betroffene Kindern zu helfen. Leider sind viele Lehrer hilflos, da keine Ausbildung vorhanden ist. (Es gibt ja auch keine Ausbildung, sondern nur Fort und Weiterbildungen) Und so kommt es dann auch, dass viele Kinder sekundäre Probleme entwickeln, wie z.B. Schulunlust, Depressionen usw.

Ich hoffe, dass sich im Sinne der Kinder, endlich etwas ändert. Ein positives Beispiel:
Ich arbeite als Trainer an einer Ganztagsschule einmal pro Woche - bin aber kein Lehrer. Man hat halt erkannt, dass die Lehrer an dieser Schule zu wenig ausgebildet sind über das Phänomen Legasthenie.

LG,

Mirko Mieland

P.S.: Danke an das Team von LegaKids für diese Diskussion....
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Verfasst am: Di 06. Mai. 2008, 13:50, Titel: Eine Antwort auf den Artikel von Frau Valtin
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Hans J. Hanke antwortet auf den Artikel "Brauchen wir die Legasthenie?", nachzulesen unter:
http://www.legakids.net/_eltern/_tipps/Valtin.pdf

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Valtin,

seit fast 10 Jahren stoße ich immer wieder auf Ihre Berichte zum „Konstrukt der Legasthenie“, und obwohl sich in den letzen Jahren der Wissenstand rund um die Legasthenie beträchtlich erweitert und verändert hat, finde ich in Ihrer Stellungnahme immer noch Ihre ersten Gedanken dazu. Mein Sohn muss sich auch als Erwachsener täglich mit diesem „Konstrukt“ auseinander setzen und ich fühle mich den Betroffenen gegenüber verpflichtet, nun endlich einmal auf Ihren Beitrag als Vater eines betroffenen erwachsenen Sohnes zu reagieren.

Sie beziehen sich in Ihrem Bericht auf alte Definitionen, obwohl heute die Legasthenie in den Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie unter den umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten klar definiert ist. Für die Diagnosestellung ergeben sich daraus konsequent durchzuführende Untersuchungen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass bei Kindern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens/ Rechtschreibens die phonologische Bewusstheit gestört ist, wodurch der Erwerb des Schriftsprachgebrauchs sehr viel schwieriger ist, länger dauert und trotzdem oft nicht den Anforderungen entspricht. Dass die Betroffenen (auch die Erwachsenen) durch Ihre Problematik stärker beeinträchtigt sind, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen als jene, die mit unzureichenden Fähigkeiten beim Golfspielen, Autofahren oder Musizieren auffallen, muss nicht extra erwähnt werden. Dieser Vergleich wird den Legasthenikern nicht gerecht.

Auch ich denke, dass alle Schüler das Recht auf eine adäquate Förderung haben- und damit meine ich wirklich Alle! Dazu gehören zum Beispiel die Schüler, die trotz guter schulischer Förderung (nicht alle Lehrer machen einen schlechten Unterricht) und ausreichender Lernanregungen durch das Elternhaus (nicht alle Eltern sind bildungsfern) außerschulische Hilfen brauchen. Diese Hilfen können nicht von Logopäden, Ergotherapeuten oder ähnlichen Berufsgruppen übernommen werden. Jeder, der sich mit den Ursachen der Lese-Rechtschreibstörung auseinandergesetzt hat weiß, dass nur ein strukturiertes Lese-Rechtschreibtraining, das nah am Schriftspracherwerb ansetzt, den Schülern Erfolg bringen kann. Aber auch hierbei ist zu beachten, dass Pädagogen (Therapeuten) und Schüler an ihre Grenzen stoßen.
Sie greifen den Begriff“ Legasthenie als Krankheit“ auf. Ich denke nicht, dass mein Sohn krank ist und auch andere Eltern haben nicht den Eindruck, dass ihre Kinder unter einer Krankheit leiden. Aber leiden müssen sie, dann nämlich, wenn ihre Problematik beim Lesen- und Rechtschreiben lernen von der Gesellschaft nicht als Behinderung angesehen wird. Jemand, der nicht schnell oder korrekt lesen kann, wird in Frage gestellt oder sogar ausgelacht, aber niemand sieht es als Behinderung an. Bei einem Brillenträger würde man auch nicht von Krankheit sprechen, aber ohne weiteres akzeptieren, dass er ohne den Ausgleich Brille behindert wäre. Und so brauchen die „Legastheniker“ auch einen Ausgleich, ohne den sie dann wirklich krank würden auf Grund der ständigen Überlastung.

Und da sind wir schon bei den negativen Auswirkungen auf das Selbstbild der Kinder. Die kommen doch wohl erst zum Tragen, wenn das Kind sich trotz hoher Motivation und ausdauernder Leistung seine Misserfolge im Lesen und Rechtschreiben nicht erklären kann. Für meinen Sohn war die Diagnose der umschriebenen Lese-Rechtschreibstörung ein Aufatmen. Er fühlte sich danach nicht mehr als „Depp“ zwischen seinen Mitschülern und konnte auch sehr selbstbewusst den Lehrern gegenüber auftreten, von denen manche ihm, als er schon 20 Jahre alt war und eine Fachschule für Sozialwesen besuchte, immer noch Dummheit bestätigen wollten.

Auf die Antworten der betroffenen Kinder, welche Ursachen ihre Lernprobleme haben können, gehe ich lieber nicht ein. Diese Gedanken kenne ich weder von anderen Kindern noch schätze ich deren Eltern für so unaufgeklärt ein.

Ich kann Ihnen aber voll und ganz zustimmen mit der Forderung, dass Lesen und Schreiben lehren zu den Hauptaufgaben der Grundschule gehört. Es macht mich aber doch stutzig, dass Sie Ihre Forderungen einschränken mit der Bemerkung „dass möglichst wenige Schüler gegenüber den Grundanforderungen versagen“. Sind diese Kinder dann doch dumm?

Und nun noch ein letztes Wort zu den Interessenvertretungen der Eltern. Diese Gruppe hat mich dazu gebracht, durch Informationen und Hilfe zur Selbsthilfe die Rechte meines Kindes bei den Lehrern durchzusetzen und meinem Sohn die nötige Kraft für seinen Weg mitzugeben, damit er sich positiv als Erwachsener mit Behörden, Arbeitgebern und Leuten, die Artikel schreiben, auseinandersetzen kann.

Ich bitte Sie, stellvertretend für andere Eltern und vor allem im Interesse der von einer Legasthenie betroffenen Menschen, nicht durch die bisher von Ihnen gewählte Form der Kommunikation Legastheniker in Frage zu stellen. Berichte wie Ihre schaden den betroffenen Menschen mehr als das sie hilfreich sind.

Mit Freundlichen Grüßen
Hans-J. Hanke

LegaKids meint: Es engagieren sich im deutschsprachigen Raum mehrere Verbände und Institutionen für die betroffenen Menschen.
Zu oft arbeiten sie eher gegeneinander als miteinander.
Manchmal ist es z. B. notwendig, sich juristisch durchzusetzen, manchmal geht das aber auch auf Kosten der Kinder. Es gibt keinen Königsweg, der für alle der richtige ist. Wenn wir verschiedene Ursachen benennen können, brauchen wir auch verschiedene Ansätze, um den betroffenen Menschen zur Seite zu stehen.
Auch LegaKids wurde mit dem Satz konfrontiert: "Sie schaden mehr als dass Sie hilfreich sind". Damit muss man wohl leben, Frau Valtin ;-) MK


Zuletzt bearbeitet von admin am Mi 07. Mai. 2008, 08:55, insgesamt einmal bearbeitet
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Lega14776


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Verfasst am: Di 06. Mai. 2008, 21:19, Titel:
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Danke für diesen Beitrag.

Eben dort ist auch das Problem? Wo sind die geregelten Beschlüsse im Umgang mit Kindern in der Schule, die Probleme im Bereich Lesen/Schreiben und/oder Rechnen haben? Schauen wir uns doch mal die sog. Legasthenieerlässe an, die meist nur KANN - Bestimmungen sind. Leider sind immer noch zu wenig Lehrer dahingegen ausgebildet, betroffenen Kindern adäquat zu helfen.

Auch sehe ich auch positiv in die Zukunft, denn dieses Jahr "wird viel diskutiert" - in der Bildungspolitik. Ich würde mir wünschen, dass es zu einem sinnvollen Weg führt und auch Facherxperten mehr an diesen Diskussionen beteiligt werden. (Aus allen Bereichen, versteht sich)

Auch sollten die Verbände, die ja im Grunde genommen alle das selbe Ziel haben (sollten) mehr in die Erarbeitung der Legasthenieerlässe angehört werden. Denn viele Mitglieder dieser Verbände sind selbst betroffene oder Trainer, die in der Praxis arbeiten.

Und das eine untersch. Meinung über den Begriff Legasthenie herrscht, ist klar - und dort sollte ebenfalls angesetzt werden.

LG,

Mirko Mieland
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Verfasst am: Mi 21. Mai. 2008, 13:49, Titel:
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Als E-Mail erreichte uns folgender Beitrag von Dr. Astrid Kopp-Duller, den wir mit ihrer Zustimmung gerne zur weiteren Diskussion ins Forum stellen:

Die Diskussion ist natürlich notwendig, wenn man im Interesse der Betroffenen wirken will. Ich sehe auch aus ihrer tollen Arbeit das Interesse an den Menschen und dies ist und war auch immer mein Beweggrund.

Leider wird die Pathologisierung trotz besseren Wissens von verschiedenen Gruppen vorangetrieben. Auch sehen manche Institutionen andere Aktivitäten grundsätzlich als konkurrenzierende schlechte Tätigkeiten an und sind einfach nicht tolerant genug andere in Ruhe arbeiten zu lassen und schon gar nicht zu einer Zusammenarbeit bereit, was bedauerlich aber realistisch ist. Wobei unser Standpunkt nie extrem und unrealistische war, sondern lediglich die in jedem Falle notwendige pädagogisch-didaktischen Intervention bei Schreib-, Lese- oder Rechenproblemen verlangt.

Wobei natürlich, und dies haben wir in unserer neuen Publikation auch immer wieder betont, die Intervention der anderen Berufsgruppen, wie Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Ärzten, etc., bei gewissen Fällen wohl unbestritten ist.

Dr. Astrid Kopp-Duller
Präsidentin des Ersten Österreichischen Dachverbandes Legasthenie
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f.j.neffe


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Verfasst am: So 24. Jan. 2010, 22:09, Titel: Von Kunstkrankheit "Legasthenie" zuR echten LegaST
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Von Kunstkrankheit "Legasthenie" zur echten LegaSTOEHNIE

Wir müssen in die Du-musst-Schule gehen und dort Lesen & Schreiben lernen. Wir lernen also - in der Ich-kann-Schule schaut man genau hin - dort nicht Lesen&Schreiben sondern LesenMÜSSEN & SchreibenMÜSSEN und das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Mangels Vergleichs wird er nicht erkannt.
Können bedeutet Entfaltung, Entwicklung, Wachstum, Leben, Müssen bedeutet Einschränkung, Beengung, Tod. Es geht also schon beim Lesen- & Schreibenlernen um Leben oder Tod.
Wenn es mit dem Müssen nicht klappt, was tut da die Pädagogik? Sie verlangt, dass man sich mehr Mühe gibt. Wer sich Mühe gibt kriegt sie; das ist eine klare Beobachtung. Wer sich anstrengt, der ist angestrengt, und wer seine verdoppelt Anstrengungen, ist doppelt angestrengt und bringt sich so der völligen Erschöpfung seiner begrenzten bewussten Kräfte immer näher. Es ist also aus der Sicht der neuen Ich-kann-Schule kein Wunder, wenn bei solchem Unterricht "Legasthenie" ausbricht und wächst wie verrückt. In Deutschland wird diese auch noch seit dem KMK-Beschluss vom April 1978 offiziell gefördert; das Ergebnis kann sich sehen lassen: Wir schreiben heute alle doppelt soviele Fehler wie damals.
Die Geister, die wir riefen, werden wir nun nicht los und stehen hilfloser da wie Goethes Zauberlehrling.
Es ist uns tatsächlich gelungen aus der Kunstkrankheit "Legasthenie", mit der wir über Jahrzehnte davon abzulenken suchen, dass unser rechtschreib- und sontiger Unterricht mindestens zum Davonlaufen ist, eine echte Krankheit zu machen, die nicht mehr zu überhören ist: LegaSTÖHNIE.
Die neue Ich-kann-Schule hat nicht den geringsten Respekt vor diesem Goldenen Kalb und der "Pädagogik" derer, die das Problem nur großmachen und es nicht lösen können. In der neuen Ich-kann-Schule geht es um die POTENTIALE und man würde sie nie und nimmer derart verwahrlosen lassen, wie dies in der Du-musst-Schule der Fall ist. Gerade schwache oder geschächte Kräfte verdienen unseren besonderen Respekt, unsere Achtung und Anerkennung, unsere Solidarität und Pflege, unsere klare Stärkung und Ermutigung. Von Tests, Diagnosen, Abwertung, Ettikettierung, Aussortierung, Pathologisierung wird kein Talent stark. Ich finde es ganz natürlich, dass die meisten Talente vor dem, was in unseren Schulen an Pädagogik verbrochen wird, die Flucht ergreifen und sich verstecken und in Sicherheit bringen.
Es ist eine Todsünde, dem Menschen die Hauptrolle in seinem Leben wegzunehmen und ihn zu nötigen, Fehler und Schwächen und Defekte die Hauptrolle in seinem Leben spielen zu lassen. Die Folgen dieses Frevels sind verheerend. Das kann man nicht nur an den steigenden Kosten ablesen. Es wird immer schlimmer, je besser wir es unter solchem Vorzeichen machen.
Wenn ich der Wahrheit die Ehre gebe, mich bei den Talenten betroffener Kinder für die Missachtung und die vielen Miss-handlungen entschuldige, wenn ich ihre wahre Größe anerkenne und ihre Güte bestötige, wenn ich dieser Größe ihre gute Entwicklung beschreibe und mein lebhaftes Interesse daran zeige, dann kannst Du schon nach dem ersten Satz immer eine bedeutende Verbesserung aller Lebensfunktionen messen. Bei der üblichen Flördeung müsste man dagegen, wenn man die Lebensfunktionen messen würde, öfters den Rettungswagen rufen.
Ich habe es für die neue Ich-kann-Schule immer wieder nachgeprüft: Die angeblich wissenschaftlich festgestellten Defizite sind nicht real sondern eine Fehlinterpretation, die als nicht vorhanden beschworenen Talente und Kräfte sind da. Und wenn ich ihnen ihre WÜRDE wiedergebe und ihnen Gelegenheit gebe, zu zeigen, wer sie wirklich sind, dann kommen sie regelmäßig heraus und strafen die Pädagogik und Therapeutik Lügen.
Die betroffenen Kinder brauuchen auch überhaupt nicht Unterstützung, sie brauchen nur endlich eine Beendigung des plumpen und oft barbarischen Umgangs mit ihren feinen Talenten, den wir uns nicht schaemen, Förderung zu nennen.
Die Kinder haben alle Kräfte, die für den Erfolg nötig sind, nur sind diese Kräfte infolge eines völlig verfehlten pädagogischen Umgangs damit in der Regel vergrault, verprellt, verstört, gekränkt, verletzt, geschwächt, oft halb verhungert und auf alle mögliche Weise verwahrlost. Die erste Aufgabe der Pädagogik ist es, von ihrem hohen Ross hertunterzusteigen, um Verzeihung zu bitten, und sich feiner Umgangsmanieren zu befleißigen.
Um zu beweisen, das man nicht immer noch blind ist, sollte man damit beginnen, den Talenten der Kinder ihre feine Güte zu beschreiben und sich mit ihnen daran zu freuen lernen.
Die Talente der Kinder sind unsere wichtigsten Partner für eine gute gemeinsame Entwicklung.. Die Pädagogik sollte sich endlich hinter ihren Papierstapeln, mit denen sie sich wichtig macht, hervorwagen und der Realität annähern. Niemand braucht ihre überperfekionierten, toten Zwangsschablonen, aber sie braucht die Potentiale, die Talenmte, die Kräfte - ohne diese kann sie einpacken. Es wird höchste Zeit, dass sie mit dem dämlichen Getue aufhört, eine herrschende Wissenschaft zu spielen; sie sollte schleunigst DIENEN lernen, denn sonst ist sie schlicht zu nichts zu gebrauchen, wenn sie zu nichts dienen kann.
ALLE Kinder können sehr wohl gut und richtig schreiben und ihre diesbezüglichen Fähigkeiten stets weiterentwickeln. Das tun sie auch: wenn man ihnen nicht DEN SINN dafür raubt. Als Ich-kann-Schule-Lehrer bin ich deshalb vor allem ein SINNweiser. Ahd. SINAN = der WEG. Und der LEHRER sollte ja im wörtlichen Sinn derjenige sein, der auf den Wegen des Lebens so vorausgeht, dass ihm alle interessiert folgen wollen, weil es ihn selbst interessiert. Ich wünsche jedem den Erfolg, den er sich selbst erwählt.
Franz Josef Neffe
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"Rechtschreiben ist es erst dann, wenn man dem Lehrer recht schreibt." fjn
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